Fettige Finger

Nicht bloggen ist auch keine Lösung.



11.05.10

You're (not) in the army now...

Zum Militär, militärischen Strukturen oder der Bundeswehr kann man ein kritisches bis ablehnendes Verhältnis haben. Das ist das eine. Was aber hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen exakt gegen Frauen in der Bundeswehr? Das fragt man sich, wenn man in letzter Zeit mal einen "Polizeiruf" gesehen hat. Dort waren Frauen in der Bundeswehr in der letzten Zeit überdurchschnittlich oft ein Thema (in meinem unrepräsentativen Fall: in zwei von drei gesehenen Folgen). Rein quantitativ mag es sich um ein noch leicht exotisches und damit krimifernsehtaugliches Thema handeln, meinetwegen, es gibt noch nicht besonders lange und zahlenmäßig vermutlich auch noch nicht übermäßig viele Frauen in der Bundeswehr. Schenkt man dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen Glauben (hier ahnt es schon: ich rate ab), dann sind Frauen in der Bundeswehr aber auch zurecht ein Exotismus und werden es bleiben - denn die wollen da eigentlich gar nicht hin. 


Diagnose Vater-Komplex: Hauptmännin Steiger (Quelle: DasErste.de)


Ihre Gründe, die militärische Laufbahn einzuschlagen, sind stets neurotischen, problematischen Ursprungs. Sie wollen beispielsweise den Militärpapa beeindrucken und durch streberhaften Fleiß und eiserne Disziplin seine Anerkennung und Liebe erringen (immerhin: sonst ein klassisches Männermotiv). Sie sind fanatische, devote Kampfsäue, die sich möglichst wie die härtesten der Männer geben und auch versuchen, so auszusehen (hübsche Kolleginnen sind dann automatisch "Nato-Matratzen"). Andere sind problembeladene Dauerversager, die die Armee aus einer verzweifelten Laune heraus gewählt haben - oder die beste Freundin einer solchen, die aus Freundschaft mitgeht ("zusammen können wir das schaffen!" - wtf?!). Und das Highlight: Traumatisiert von Stress und Sexismus in der Hotelbranche suchen sie sich eine Herausforderung, wo sie noch mehr Stress und Sexismus erwartet. Natürlich machen sie ekelhafte Militär-Rituale mit, um den Spieß zu erpressen und leichter durch die Grundausbildung zu kommen. Oder sie verraten für die Karriere die Kameradinnen, verbreiten Lügen, bedrohen sie gar mit scharfer Munition. Oder, last but not least, sie drehen der - zugegebenermaßen betrügerischen - besten Freundin eben gleich den Hals um (wortwörtlich). 
Eines sucht man jedoch vergeblich: Quoten-Kameradinnen mit vergleichsweise wenig Problemen, dafür aber einer irgendwie nachvollziehbaren, unaufgeregten Motivation für ihre Militär-Karriere. Für mich mag das nicht wirklich vorstellbar sein, aber ich bin mir sicher, es gibt Gründe, die sich ohne eine Psychotherapie erklären lassen!!   


Was will uns die ARD also sagen? Ist das eine auf dem Rücken der Frauen transportierte, versteckte Militärkritik - "man muss schon einen Knall haben, um sich da zu melden - Frauen sind schlauer", also so eine Art Positiv-Diskriminierung? Oder haben Frauen halt einfach nicht das Zeug dazu, gehören die da nicht hin? Steckt gar die Bundeswehr dahinter, um die Botschaft zu verbreiten "Frauen müssen schon total kaputt sein, wenn sie hierhin wollen (und halten es eh nicht durch), also lasst es besser bleiben"? Eine Botschaft steckt jedenfalls ganz gewiss nicht drin: dass Frauen in der Bundeswehr genauso normal/fähig/unfähig/verrückt sind wie ihre männliche Kollegen. Sie sind Exotinnen, Sonderlinge, Sonderfälle, und die beiden "Polizeirufe" erweckten nicht den Anschein, als seien es primär die Umstände, die dafür verantwortlich sind - sondern vor allem sie selbst. 

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