Fettige Finger

Nicht bloggen ist auch keine Lösung.



21.04.10

Schlechtes Gewissen - Der ultimative Ratgeber!


Vor kurzem in einer großen Buchhandelskette: Ich steuere zielgerichtet die beiden Abteilungen an, die einzig darauf abzielen, mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Ich schätze, das ist ein Verkaufskonzept. Wenn du ein schlechtes Gewissen für nur 12,95 € besiegen - oder sagen wir zumindest beruhigen - und dir vielleicht dabei im Gegenzug sogar noch ein außerordentlich befriedigendes Gefühl in die Tüte packen kannst - da zögert man doch nicht lange, oder? Vielleicht ahnt ihr schon, wovon ich spreche: Abteilung 1 - Reiseführer. Die ganze Welt in drei Regale gepackt. Sprunghafte Reise durchs Alphabet: Piemont - Prag - Peru. Wie, da warst du noch nicht?! schmettern Dir die Bücher entgegen. Es könnte doch so einfach sein! Steht doch alles hier! Verheißung auf Verheißung, Hochglanzbild auf Hochglanzbild. Am schlimmsten noch Lonely Planet und Co, die gleich noch ein Portfolio an Phantasien mitliefern: Backpack, Globetrotter, Halfmoon Party, Weltreise Blog. Jaja, alles noch nicht gemacht, gell? Dann wird's aber Zeit! Sprach das Regal.

Völlig gebeutelt von meiner mangelnden Weltläufig-, Unzulänglich- und Schwerfälligkeit und dann doch nur mit einem langweiligen, günstigen Städtereiseführer, den ich sowieso kaufen wollte, in der Hand, geht's auf zum nächsten Walk of Shame: Abteilung 2 - Job-Ratgeber. Ausnahmslos ALLE Bücher hier wollen mir helfen, in meiner Karriere voranzukommen, endlich was aus mir zu machen, und wenn schon nicht einen besseren Menschen, dann doch wenigstens einen reicheren. Im Umkehrschluss lassen dich diese Bücher natürlich auch wissen, dass du ohne sie ja eigentlich noch nicht besonders viel richtig gemacht hast. Es ist ein Wunder, dass nicht schon längst Peter Zwegat bei dir vor der Tür steht oder nicht zumindest du vor der Tür des nächsten Job-Centers stehst. Und zwar Schlange!

Doch dann finde ich ein Buch, das all meine Fragen, was bisher schief gelaufen ist in meinem Leben, auf einen Schlag beantwortet. Genau genommen habe ich keine Fragen mehr. Das hab ich nämlich gar nicht nötig! Damit ihr es nur wisst. Ich weiß jetzt, wohin die Reise geht - nämlich steil nach oben. Und wie, das hat mir Peter Modler in seinem famosen Buch erklärt: einfach die vorwitzige Nase in diese Richtung halten. Oder hab ich da was falsch verstanden? Ich sollte vielleicht doch mehr lesen als nur die Buchtitel. Andererseits... vielleicht auch nicht.




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