Fettige Finger

Nicht bloggen ist auch keine Lösung.



10.07.10

Luxusgüter Karneval

Nach Nana und vielen vielen weiteren mehr oder weniger berufenen Rezensenten muss ich mich jetzt auch noch dazu äußern: Gestern habe ich mit einiger Bestechnungs- und Überredungsarbeit meine zwei Mitbewohnerinnen dazu gebracht, mit mir Sex and the city 2 zu sehen. Im Prinzip wollten wir alle vor allem in einem klimatisierten Kino sitzen, um mal der Hitze zu entkommen... Außerdem war ich schlicht und ergreifend neugierig - und meine Erwartungen habe ich von vorne herein tief angesetzt. Derartig mental präpariert ging ich davon aus, dass ich zwar nichts großartiges sehen, aber doch zumindest ein bißchen unterhalten werde... Nun ja. Fremdschämen, ungläubig mit offenem Mund den Kopf schütteln, von einer Parade überkandidelter scheußlicher Glitzerkleider geblendet werden - das kann ja auch alles ganz unterhaltsam sein, oder? 


In jedem Fall eignet sich der Film sehr gut, um die schöne Lebensweisheit "Weniger ist manchmal mehr" zu erläutern: In vielen Belangen setzt der Film nämlich eindeutig auf "mehr" - mehr Make-Up, mehr Glitzer, mehr Luxus, mehr Kleider, mehr Farben. Eine endlose Produkte-Parade, die derartig übertrieben und üppig daherkommt, dass der kreative, außergewöhnliche modische Stil der Serie völlig verwischt und untergeht. Gleichzeitig hebt das Grelle, Übertriebene in Make-Up, Farben und Kombinationen die völlig normalen Zeichen des Älter-Werdens bei Figuren und Schauspielerinnen auf eine Weise hervor, die sie der Lächerlichkeit preisgibt, anstatt sie zu preisen. Einzig Samantha, bei der das Thema Alter tatsächlich auch zum Thema wird, gelingt es auch, damit zu spielen - sie wirkt frisch und "jugendlich" wie eh und je. 


"Weniger" gibt es dafür von anderen Elementen, die die Serie sehenswert machten - Wortwitz, Ironie, ambivalente Charaktere... die Liste ließe sich fortsetzen. Die vereinzelt durchaus gelungenen Dialoge und Sprüche im Film heben diesen Mangel eher hervor, als dass sie ihn beheben - die Schauspielerinnen sind eher da, um ihre Serienfiguren zu zitieren denn sie tatsächlich zu verkörpern - passend zur Kleiderparade paradieren sie holzschnittartig und wie Karikaturen durch den Film, um die erfolgreiche Serie zu feiern und uns in aneinandergereihten Szenen-Häppchen noch mal in Erinnerungen schwelgen zu lassen, ohne dabei wirklich eine Geschichte zu erzählen. Es gibt gute Momente - aber zu wenig. 


Ich könnte mich noch sehr viel länger über etliche Aspekte des Films auslassen, aber ich will es mal dabei belassen (wer will das auch alles lesen??). Ich begebe mich jetzt mal weiter ins Samstagesgeschäft, auch wenn es eigentlich viel zu heiß ist... Aber das Sozialleben wartet, mit Picknick im Park und Grillen am Pool. Ein hartes Leben!  

3 Kommentare:

  1. Ach, ich fand Sex & the City 2 gar nicht sooo schlimm. Also schon, aber auf eine amüsante Art und Weise. Wenn man nicht zu vieldarüber nachdenkt. Auf jeden Fall habe ich im Kino gelacht.

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Ich glaube gelacht haben wir an einigen Stellen alle, mir ging es ja auch so und trotzdem habe ich in meinem Resümee der Kritik freien Lauf gelassen. Der Ausdruck "Fremd schämen" trifft es aber ziemlich genau... ;)

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